Kann man Shakespeare *steppen*?

Yo, Homie, man kann ihn sogar rappen!

Den Beweis dafür ist gestern der „Abschlussjahrgang 2018“ des Nürnberger ACT Centers angetreten.

Wie bereits kürzlich erwähnt hat die „Akademie für Musical“, das ACT Center, dieses Jahr wieder drei Absolventen, die erfolgreich die Diplomprüfung als Musical-Darsteller abgelegt haben. Teil der Prüfung ist die Aufführung eines im Team einstudierten Stückes. Dieses Jahr haben die drei Absolventen unterstützt von „niedrigeren Jahrgängen“ des ACT Centers „Ende gut, alles gut“ von Shakespeare auf die Bühne gebracht. Und einmal mehr kann ich nur sagen, ich war sehr begeistert.

Das Stück gilt nicht gerade als Bühnenfavorit, und ich kann auch verstehen, warum: Nicht nur, dass es schwierig ist, mit einer Besetzung von gerade mal fünf Leuten die komplexe Handlung über die Bühne zu bringen, Shakespeare hat es leider auch versäumt, uns klarzumachen, warum die schlichte aber ehrbare Helena (Selina Kretschmann — goldrichtig besetzt!) sich so unsterblich in den recht pomadigen Bertram (eine solide Basis, an der sich der Rest des Ensembles orientieren kann: Alex Krüger) verknallen solle, und was denn jetzt eigentlich die Antwort ist auf den allfälligen Standesdünkel, der das Stück durchzieht.

Aber das Team unter der Regie von Michaela Domes hat diese Klippe mit einer unbändigen Spiellust und großem Ideenreichtum (von Step bis Rap) umschifft, und eigentlich ist es gar nicht mehr soo wichtig, wer jetzt wen liebt. Teresa Stadler gibt sowohl die bodenständig-naive, aber durchaus lebensfrohe Diana, als auch den greisen Arzt Lafeu (wobei ich mich schon frage, wie sie bei den Proben zwischen den Parts gewechselt haben mag…), und überzeugt mich einmal mehr in beiden Rollen. Katharina Lucas ist sowohl Bertrams schrille Mutter als auch die etwas fade Wirtin der Herberge, in der Shakespeares Liebesverwicklungen ihren Höhepunkt erreichen. Den Vogel aber schießt Dennis Altenhof ab, der sowohl den jovialen König als auch abgefeimten Feigling Parolle geben darf: Dankbare Rollen (aber das waren die Schufte ja schon immer),  kongenial vorgetragen.

Die Beleuchtung war einwandfrei, der Sound sehr ausgewogen und klar, wenn auch mit gelegentlichen Aussetzern, die allerdings nicht schwer ins Gewicht fielen.

Die Story wurde, wenn ich das richtig sehe, entschlossen, aber meist sinnvoll gekürzt: Das Verwirrspiel um die Ringe habe ich ehrlich gesagt erst am Schluss kapiert, aber das mag daran liegen, dass ich generell ein wenig langsam bin, sonst haben die Schnitte mich nicht gestört. Dafür sind zahlreiche Musicalnummern ins Spiel gekommen, die das Geschehen begleiten — schön daran, dass es nicht die ewig gleichen abgenudelten Evergreens waren, sondern auch viele weniger bekannte Songs mit elegant an ihr neues Umfeld adaptieren Texten. Die Inszenierung ist keine schwere Kost, man amüsiert sich und wird zwei Stunden lang vorzüglich von einem Reigen großer und kleiner Regieideen unterhalten, und von einer Cast, die zurecht ihre Prüfungen bestanden hat (bzw. keine Angst vor bevorstehenden Prüfungen zu haben braucht).

Lasst euch einfach überraschen, und wartet auf die erste Stepptanz-Nummer…!

Am kommenden Freitag, den 20.7. und Samstag, den 21.7. tritt das Gespann jeweils um 20:00 nochmals im ACT Center an. Falls ihr erfahren wollt, ob am Ende wirklich „alles gut“ ist, schaut’s euch an!

Aber ist denn das auch alles wahr, Elmar? Du schreibst hier immer so begeistert über die Acts, die du besucht hast… Flunkerst du nicht ein wenig, weil du deinen Kumpels Publikum zuschanzen willst?

Nein, tu ich nicht. Natürlich freue ich mich, wenn die kleinen Independent-Produktionen ihr verdientes Publikum bekommen, aber deswegen lobe ich auch nicht alles über den grünen Klee. Wenn mir eine Band oder ein Bühnenstück unterkommt, an denen ich jetzt wirklich nichts Gutes gefunden habe, und wo ich es für verschwendete Zeit hielte, euch hinzuschicken — dann bin ich einfach still und behalte das für mich. Wen ich hier empfehle, den empfehle ich von Herzen.

P.S. — Wobei ich in diesem besonderen Fall ein klein wenig voreingenommen sein mag, denn aufmerksamen Lesern dieses Blogs mag aufgefallen sein, dass Alex unser neuer männlicher Lead für die folgenden Aufführungen der „100 Jahre Musical“ ist. Aber ich hoffe, das hat mein Urteil nicht getrübt.

 

Ein Kommentar zu „Kann man Shakespeare *steppen*?

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