Appell

Viele von euch sind große Fans diverser Multi-Millionen-Dollar Franchises, wie Star Wars, Marvel etc., und es erstaunt mich immer wieder, wieviel Geld die Fans in diesem Kontext für Kitsch und Plunder liegenlassen, nur weil sie ein bestimmtes Logo oder ein Gesicht darauf wiedererkennen — Merchandise als die Devotionalien einer säkularisierten Gesellschaft, auch nicht so verschieden vom Reliquienhandel eines als „finster“ wahrgenommenen Mittelalters, perpetuiert gerade von denjenigen, die sich als besonders aufgeklärte und moderne „Nerds“ wahrnehmen.

Und jedesmal wenn ich so etwas sehe denke ich mir: Wieder ein Zehner oder mehr, der einem George Lucas, einer Joanne Rowling oder dem Disney-Konzern zugesteckt wurde, und den die garantiert nicht brauchen.

Denn daneben gibt es eine wundervolle Szene kleiner Bühnen, Bands und Künstler, die keine Werbebudgets haben, mit denen man auch einen zentralamerikanischen Staat aufkaufen könnte, keine großen Namen und keine Marketingabteilungen, die sicherstellen, dass ihre stromlinienförmigen Produktionen ein Erfolg werden, indem sie den kleinsten gemeinsamen Nenner (und nur den) mit mundgerechten Häppchen bedienen. Sondern Menschen, die kein besonders glamouröses Leben führen und die unterm Strich einen Stundenlohn bekommen, für den kein vernünftiger Mensch einen Finger rühren würde. Und es sind Menschen, die permanent unter dem Damoklesschwert der Pleite arbeiten.*)

Vor einiger Zeit wurde eines meiner Buchprojekte von einem — gar nicht so kleinen — regionalen Verlag abgelehnt. Die Lektorin versicherte mir, es sei nicht zu schlecht, aber sie müssten ihre realisierten Projekte mit sehr viel Bedacht wählen: Einen Misserfolg könne der Verlag verkraften, aber bei zweien in Folge könnten sie den Laden dichtmachen. Die Kofferfabrik in Fürth, beispielsweise, hat darum den Kofferkulturpreis ins Leben gerufen — keine Auszeichnung, sondern ein freiwilliger Aufschlag der Gäste auf den Getränkepreis, mit dem die KoFa ihre lebendige Konzertreihe über Wasser hält.

Sinngemäß gilt dasselbe für Kleinkunstbühnen und all die anderen „Independents“: Sie leben am Existenzminimum, und die Digitalisierung macht das, bei allen sonstigen Segnungen, nicht einfacher. Darum mein Appell an euch alle: Wenn ihr das nächste Mal ein wenig Geld übrig habt, überlegt, wohin ihr es tragt — In die hochgerüsteten Multiplex-Kinos oder zu den kleinen Veranstaltern oder Buchläden, bei denen nicht alles auf Hochglanz und 3D und Dolby 5.1 ausgelegt ist, sondern wo noch Handarbeit herrscht. Wo du deinem Schauspieler ins Gesicht sehen und wahrnehmen kannst, was gerade in ihm vorgeht, wo du ein Lied so gespielt hörst, wie es noch nie gespielt wurde und wie es nie wieder gespielt werden wird, und wo du Sätze vorgetragen bekommst, die du garantiert noch nicht gehört hast. Du wirst Menschen begegnen, für die ihre Profession kein Job ist, sondern eine Leidenschaft, der sie folgen.**) Auf dieser Website werde ich in unregelmäßigen Abständen unter der Kategorie „Local Talent“ persönliche Empfehlungen für Künstler aus der Region posten, und auf meiner Blogroll am unteren Seitenende findet ihr ebenfalls einige Links.

Und natürlich ist es ein Risiko, sich zu einem unbekannten Musiker zu setzen oder ein unbekanntes Buch zu kaufen. Aber geht es nicht genau darum in der Kunst? I took the road less travelled by, and that made all the difference…

tl;dr: Support your local artists. Besucht ihre Konzerte, kauft ihre Bücher und ihren Bling oder was immer sie zu bieten haben.

Tipps in der rechten Spalte unter „Themen: Local Talent“.


*) Mich persönlich betrifft das nicht, weil ich einen geregelten 9-to-5-Job habe und die Literatur für mich ambitioniertes Hobby, aber kein Lebensunterhalt ist. Anders als für viele meiner Freunde.

**) Abgesehen davon, dass da auch unglaublich viel coole Mucke gespielt und geile Storys gezeigt werden.

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