„Failure is not an Option“

„Failure is not an Option“ ist eines der berühmtesten Zitate aus der Geschichte der Apollo-Missionen. Der Satz, der sich ungefähr mit „Ein Fehlschlag ist nicht drin“ übersetzen lässt, fiel, als Apollo 13 leckgeschlagen durch das Weltall trudelte und das Leben seiner drei Astronauten in der Schwerelosigkeit an einem seidenen Faden hing.

Auch wir sind mit „Frau Luna hat Besuch“ gerade an einem kritischen Punkt: Wegen des Corona-Viruses müssen links und rechts Veranstaltungen abgesagt werden.*) Noch zählen unsere Shows nicht dazu, aber ob wir zu den geplanten Terminen spielen können, ist noch nicht absehbar; die Lage ändert sich buchstäblich stündlich. Möglicherweise werden wir verschieben müssen, und dann wird es auch nach einer Aufhebung der Veranstaltungsverbote noch geraume Zeit dauern, bis die Lage sich normalisiert und Spielpläne wieder planbar sind. Dann müssen wir schauen, ob unser Team und Ensemble überhaupt noch verfügbar sind, oder ob Corona auch deren Zeitpläne über den Haufen geworfen hat.

Im Moment ist noch überhaupt nicht klar, wie’s weitergeht. Aber wir sind fest entschlossen, „Frau Luna“ auf die Bühne zu bringen. Wir machen weiter, als sei nichts geschehen, und versuchen, die Lage im Griff zu behalten, damit wir gegebenenfalls schnell reagieren können.

Failure is not an Option. Wir werden spielen.


*) Inzwischen ist in Bayern Katastrophenalarm gegeben worden.

 

Die Einschläge kommen näher

Nachdem bei meinem letzten Post Corona noch irgendein seltsames Vorkommnis in Asien war, hat es inzwischen die Schlagzeilen übernommen und auch schon einen mächtigen Einfluss auf Politik und Gesellschaft — und infolgedessen auch auf unseren Kulturbetrieb.

Nach dem augenblicklicken Stand der Dinge finden sowohl der „Goldfisch“ als auch „Frau Luna“ noch statt, aber die Betonung liegt ausdrücklich auf „noch“. Für Sina sind die letzten Aufführungen von „Rock of Ages“ schon so gut wie abgesagt und die Kofferfabrik (in der der „Goldfisch“ aufgeführt werden soll), hat alle Veranstaltungen bis Ende April gecancelt. Wir versuchen, guten Mutes und zuversichtlich zu bleiben, aber rechnen natürlich auch schon damit, dass unsere Produktionen ein Opfer von Corona werden.

Gleichzeitig schau ich auch aus dem Fenster hinaus auf die Straße. Sina und ich schließen schon Wetten ab, wann unser Brotherr seinen Bürostandort schließen und Home Office für uns obligat machen wird, und das ist nur halb im Spaß. Im Moment sind die Auswirkungen von Corona noch mild, aber die Einschläge kommen näher. Müssen wir wirklich damit rechnen, dass das öffentliche Leben auf Wochen oder Monate zum Erliegen kommen wird?

Gestern ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass die Sterberate bei Corona zwischen einem und drei Prozent liegt (das war mir vorher schon klar), und dass gleichzeitig damit zu rechnen ist, dass jeder in der Bevölkerung früher oder später damit infiziert werden wird: Niemand ist immun dagegen, und es gibt keinen wirksamen Impfstoff. Damit hätten wir bei ca. 80 Millionen Deutschen mit zwischen 800.000 und 2.5 Millionen Todesopfern zu rechnen. Die Idee allein ist ein Horror, und von daher gibt es allen Sinn, unnötigen Kontakt untereinander zu vermeiden, um die Ausbreitung zwar nicht zu stoppen, aber zu bremsen, bis wir hoffentlich bald hilfreiche Medikamente dagegen haben.

In den letzten Monaten und Jahren habe ich meine persönliche Philosophie entwickelt, dass wir in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Periode der Ruhe und Stabilität erlebt haben, die es uns schwer macht, mit gravierenden Änderungen umzugehen. In meinem Alter hatte meine Großmutter bereits zwei Weltkriege, drei Regimes und eine Weltwirtschaftskrise mit Hyperinflation hinter sich. Die größte Umwälzung, die ich in der gleichen Lebenszeit erlebt habe, war der Fall der Mauer, nach dem plötzlich überall Typen mit dem schrägen Akzent auftauchten, über den wir uns vorher nur lustig gemacht hatten — aber das war’s auch schon. Sogar 9/11 war etwas, das auf der anderen Seite des Globus stattgefunden hat. Stehe ich jetzt vor der ersten wirklichen Zäsur in meinem Leben? Wird das so ein einschneidendes Ereignis, ist nach Corona zum ersten Mal nichts mehr, wie es vorher war? Und wie reagiere ich darauf?

Und dann schaue ich ins Bad und sehe, dass die Wäsche mal wieder gemacht werden müsste.

 

 

Go for Gold(fisch)!

Heut mittag war’s einmal mehr die Kofferfabrik, aber nach all den Tändeleien der vergangenen Wochen und Monate wird es jetzt ernst: Wir trafen uns offiziell mit Cast und Produktionsteam zum Kickoff unseres „Falls des einsamen Goldfischs“.

Fotos fehlen zwar noch, aber ich kann trotzdem erzählen: Die Zeit der Tändeleien und Vorbereitungen ist vorbei, und Stefanie hat als Regie das Ruder übernommen. Es geht jetzt ernsthaft los mit den beiden „heißen Monaten“, der Probenzeit.

Nach kurzem Frühstück ließ Stefanie unsere Mimen antreten und begann mit der Rollenarbeit: Wie sind die einzelnen Figuren denn so drauf, und was halten sie von den Charakteren, denen sie begegnen? Einmal mehr war ich überrascht, was anscheinend alles in den dürren papiernen Seiten steckt, die ich produziere — So viel mehr offenbar, als ich mir beim Schreiben gedacht hatte. (Oder so viel weniger, und unsere Darsteller müssen die Lücken, die die Worte gelassen haben, mit ihrer Fantasie füllen…) So oder so, auch wenn die Interpretationen stellenweise anders waren, als ich sie erwartet hätte, so waren sie doch niemals falsch, sondern immer spannend, und werden den Figuren Nuancen geben, die ich so nicht vorhergesehen hatte. Insbesondere Frau Nimoy wird unter Andreas Interpretation… interessant sein. Lasst euch überraschen!

Wir machten uns dann auch noch besser mit „Kalle“ bekannt, der in der Kofferfabrik die Technik (vor allem das Licht) für uns fahren wird, und haben uns schon einmal ausgetauscht, was wir uns vorstellen. Das reichte von Ideen über das Bühnenbild und seine Beleuchtung bis hin zur Bestuhlung des Saals. (Ganz konnte ich Sinas Eifer, möglichst viele Sitze unterbringen zu wollen, nicht teilen: Meine Sorge ist im Moment noch nicht, dass wir mehr Gäste als Plätze haben werden, aber vielleicht haben wir ja Glück und ich Unrecht.)

Und nachdem unsere Kostümstoßtruppe bereits vor einigen Tagen in Bamberg zum Klamottenshoppen unterwegs war, konnten wir unseren Darstellern auch schon die ersten Kleider anlegen. (Ja, ich weiß, „Bilder!“… Geduld, bitte!) In diesem Kontext waren wir hocherfreut, dass das Theater in der Kofferfabrik ebenfalls über einen kleinen Kostümfundus verfügt, an dem wir für unsere Aufführungen teilhaben dürfen.*)

Läuft bei uns.


*) In diesem Kontext: Das Theater aus dem Kulturkammergut nutzt die Bühne in der Kofferfabrik ebenfalls gelegentlich für seine Produktionen. Ich war dort am letzten Wochenende zu Sophokles‘ „Antigone“ zu Gast, und war von Spiel und Inszenierung sehr angetan. Wenn „Lights Down Low“ also gerade nicht spielt, ist das TKKG auf jeden Fall ebenfalls einen Besuch wert, und zwar nicht nur weil unsere Little-More-Sonic-Regisseurin Anna dort ebenfalls mitmischt!

Und noch ein Casting

Weil wir beim letzten Mal gar nicht genug von euren tollen Vorstellungen bekommen konnten (und weil aufgrund von Krankheit und beruflichen Verpflichtungen der Andrang nicht so übermenschlich war, hüstel), haben wir beschlossen, dass wir für Frau Luna ein weiteres Casting durchführen:

2. Castingrunde am Samstag, 1.2. ab 10:00 im Musikclub der Kofferfabrik Fürth

Alles, was Stimmbänder und zwei Füße hat ist herzlich eingeladen, sich möglichst rasch  über planb.frauluna@gmail.com anzumelden, dann bekommt ihr genauere Informationen, wie ihr euch am besten vorbereiten könnt!